Das Lastenrad "Urban Arrow Family", hier der Laderaum, darin befinden sich vier Getränkekisten.
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Leih-Lastenrad „Urban Arrow Family“ (4/4) -> Fazit

Im Teil 4 meines Lastenrad Tests zum “Urban Arrow Family“, kommentiere ich die Vorzüge und Schwächen des Rads, ich ziehe ein Fazit.

Hinweis zur Transparenz:

Das getestet Lastenrad wurde mir kostenfrei durch das Land Hessen zur Verfügung gestellt, ausgegeben durch die Gemeinde Rabenau. Auf meine Meinungsbildung hat das keinen Einfluss, weder mittelbar, noch unmittelbar.

Vorarbeit zu dieser Dokumentation

Ich hatte mich bereits intensiv mit dem Urban Arrow Family Lastenrad befasst und dazu bereits drei Beiträge veröffentlicht:

Mobiles Hessen 2030 -> Leih-Lastenrad „Urban Arrow Family“ (1/4) Testrad Abholung

Leih-Lastenrad „Urban Arrow Family“ (2/4) -> Laderaum, Familie und Transporte

Leih-Lastenrad „Urban Arrow Family“ (3/4) -> Fahrdynamik und Antrieb

 

Resümee zum Praxistest mit dem Urban Arrow Family Lastenrad

Nach dieser sehr intensiven Betrachtung und Bewertung, ziehe ich heute mein ausführliches persönliches Fazit zu diesem beeindruckenden Rad.

 

Daten und Ausstattung des Rads

Urban Arrow Family Lastenrad in der Seitenansicht links
Lastenrad „Urban Arrow Family“. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

Vergegenwärtigen wir uns dazu erinnernd die wesentlichen technischen Daten des Rads, die ich den Produkt Infos des Herstellers entnommen habe:

 

 

Detailbetrachungen

Nun greife ich verschiedene Baugruppen und Eigenschaften des Rads auf, versehen mit meinen Kommentaren, die aus intensiven Fahrversuchen resultieren.

Lenkung und Lenkeinschlag

Das Lastenrad "Urban Arrow Family", hier der Laderaum, darin befinden sich vier Getränkekisten.
Lastenrad „Urban Arrow Family“, vier Getränkekisten im Laderaum. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

Das Vorderrad ist nicht einsehbar, wenn ich auf dem Sattel sitze und das Rad fahre. Mich persönlich stört das nicht, ich gewöhnte mich sehr schnell daran. Fugen auf der Fahrbahn sind nicht wirklich ein Problem, ich schaue einfach mittig über den Laderaum hinweg und kann damit die Spur des Vorderrads gut abschätzen, auch ohne Sichtkontakt auf das Vorderrad.

Der Lenker ist einseitig über ein Gestänge mit dem Vorderrad verbunden, mittels spielfreier Kugelgelenke. Das Gestänge liegt rechts unter dem Laderaum und stört nicht.

Die Verbindung ist solide konstruiert, die Übersetzung ist etwa 1:1, d.h. der Lenkeinschlag am Lenker entspricht dem des Vorderrads, daraus resultiert ein direktes Fahrgefühl. Trotz des langen Radstands und der Umlenkung fährt sich das Rad wie ein klassisch gelenktes, also mit dem „Lenker auf der Gabel“. Ich fuhrt das Rad bis knapp über 60 km/h und hatte zu jeder Zeit das Rad unter Kontrolle.

Die Lenkung drückt beim Linksanschlag das Schutzblech ab.
Die Lenkung drückt beim Linksanschlag das Schutzblech. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

An Abzweigen, oder in engen Kurven, ziehe ich etwas größere Kurvenradien, dem langen Radstand geschuldet. Auch dabei läuft das Rad in langsamen engen Kurven stabil, so man selbst das Gleichgewicht halten kann.

Bei vollem Lenkeinschlag nach links drückte an meinem Testrad das Lenkgestänge das vordere Schutzblech an den Reifen, gefährlich ist das nicht, denn es gibt nur eine leicht schleifende Berührung.

 

 

 

Die Transportbox / Laderaum / Kindersitz

Der Hersteller Urban Arrow beschreibt die „EPP-Box als Rundumschutz für die wertvollste Fracht“, gemeint sind hier sicherlich die Kinder.

Mein persönlicher Eindruck kann diese Aussage nur bestätigen, denn die Transportbox macht einen ordentlichen und soliden Eindruck, sie ist isolierend und stossmildernd, integriert in einen stabilen Rahmen.

Durch die tiefe Bauart der Frachtbox wird einerseits der Schwerpunkt des Rads abgesenkt, zudem kann man vom Sattel aus gut in Fahrtrichtung darüber hinweg blicken, selbst wenn man etwas höher geladen hat.

Die beiden verstellbaren Dreipunktgurte im Laderaum können zwei kleiner Kinder sichern, bedingt durch die Innenweite das Laderaums, ersatzweise auch ein größeres Kind.

Die Sitzbank im Laderaum ist leider fest montiert, ich würde es begrüßen, wenn sie klappbar wäre, um den Laderaum für Fracht besser nutzen zu können. Vermutlich gibt es gute Gründe, die Sitzbank fest zu installieren, doch warum hat Urban Arrow darunter kein verschließbares Staufach für Kleinteile oder das Fahrradschloss eingerichtet? Wäre es mein Rad, ich würde mir dort eine kleine abschliessbare Alubox installieren.

Verzurrösen im Laderaum vermisse ich etwas, insbesondere bei hoch gestapelten Getränkekisten.

Sehr gut gefällt mir der Boden im Laderaum. Er ist mit einer rutschhemmenden Matte ausgelegt, doch diese ist natürlich wasserdurchlässig, ebenso wie der Ladeboden darunter, so kann Regenwasser auch in großer Menge problemlos ablaufen.

Ich fuhr das Rad auch bei Regen, dabei fiel mir auf, dass der Laderaum die Füße und Beine vor Spritzwasser schützt. Die am Rad verbauten Schutzbleche umschließen die Reifen recht gut, doch Spritzwasser in Bodennähe kann bei einem „normalen“ Fahrrad dennoch die Füße beim pedalieren durchnässen. Bei diesem Lastenrad hatte ich das Problem nicht und verzichtete daher auf meine Goretex Schuhe, normale Sneaker genügten mir auf den griffigen Flat-/Plattformpedalen.

 

 

Der Lenker und die Bedieneinheiten daran

Enviolo TR Schaltgriff für N380 Nabenschaltung
Enviolo TR Gripshift. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

Die Bedienelemente am Lenker sind durchdacht und ergonomisch sinnvoll installiert.

Die beiden Bremsen lassen sich gut greifen und die Griffweite passt auch für kleinere Hände.

Die Ergo-Griffe sind Handschmeichler und fühlen sich an, meine Hände schmerzten auch nach längeren Ausfahrten nicht.

Am rechten Griff wird stufenlos die Schaltung bedient, sie ist quasi selbsterklärend, man gewöhnt sich in Kürze daran.

Die orange Linie im Display staucht oder streckt sich abhängig von der Drehung am Schaltgriff und bildet das Streckenprofil ab. Eine gestreckte Linie steht für ebene Strecke und eine große schnelle Übersetzung, ein „Katzenbuckel“ steht für Hügel und damit eine kleine Bergübersetzung. Wie gesagt, die Schaltung funktioniert stufenlos, ich hatte das bereit ausführlich in meinem vorausgehenden Testbericht beschrieben.

Ich habe mich im Testzeitraum sehr an die Schaltung gewöhnt und wollte sie nicht mehr abgeben, sie passt perfekt zu diesem Rad.

Hinsichtlich des Lenkers finde ich es schade, dass Urban Arrow keine USB Schnittstelle anbietet, daran könnte man sein Telefon oder andere Kleingeräte laden und betreiben. Andere Hersteller sind da weiter, es könnte jedoch daran liegen, dass dieses Lastenrad nicht als Tourenrad gedacht ist somit doch eher kürzere Strecken befährt. Ich habe das Rad anders bewegt, fast nur auf längeren Strecken und mit einem zweiten Akku wäre noch weit mehr möglich gewesen.

Eine Schiebehilfe und ein Turbo/Boost Knopf fehlt leider am Lenker. Das schwere Rad manövriert sich auf Rampen eher schwer, insbesondere dann, wenn das Rad beladen ist. Manche Räder haben dafür eine Schiebehilfe, also einen Schalter am Lenker, mittels dessen der Motor das Schieben leicht unterstützt.

An diesem schweren Lastenrad würde das mehr Sinn machen, als an einem „normalen“ Pedelec. Auch eine Turbo Taste am Lenker wäre sinnvoll, Vanmoof setzt beispielsweise darauf. Damit könnte man kurzzeitig den Motor kraftvoller antreten lassen, um das Rad leichter beschleunigen zu können, oder auch als Anfahrhilfe.

 

Das Bosch Intuvia Bediengerät am Lenker

Der Name lässt es bereits vermuten, man bedient den Motorantrieb wirklich intuitiv, ich halte das Bosch Intuvia Bediengerät für quasi selbsterklärend.

Die Taste mit der Lampe rechts unten schaltet das Licht am Rad, also den Scheinwerfer und das Rücklicht, zuvor suchte ich am Scheinwerfer vergeblich ein Schalter. Ich hätte früher darauf kommen können, die Beleuchtung an einem Pedelec kann man sehr einfach auslegen, man benötigt dort auch keinen Dynamo.

Die Datenfelder sind leider nicht individuell konfigurierbar, doch mittels der „i“ Taste schaltet man die Anzeigen seriell durch, ich wählte meist die mit der Anzeige der Reichweite.

Wenn man keine speziellen Anforderungen hat, ist das Bosch Intuvia Bediengerät vollkommen ausreichend, man benötigt damit auch keinen zusätzlichen Tacho. Das Intuvia zeigt die Geschwindigkeit ebenso an, wie das Durchschnittstempo, die Fahrzeit, die letzte Strecke, die Gesamtstrecke des Rads, die Reichweite und weiteres.

Eine Kleinigkeit stört mich jedoch sehr, es gibt keinen Diebstahlschutz des Bediengeräts, jeder Passant kann es einfach abziehen und mitnehmen. Seltsam, denn der Akku ist abschließbar, warum nicht auch das Bedienteil? Ich empfinde es lästig, auf Einkaufstouren das Bediengerät immer abzuziehen und beim Einkauf in die Tasche zu stecken.

 

 

Licht und Sicht

Kendo+ LED Scheinwerfer, montier über dem Vorderrad am Urban Arrow Family Lastenrad
Kendo+ LED Scheinwerfer. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

 

 

Die Beleuchtung des Rads erscheint mir ausreichend, ich beziehe das ganz besonders auf den lichtstarken Kendo+  LED Scheinwerfer, damit ist die Fahrbahn vor dem Rad ausreichend ausgeleuchtet.

 

Garmin Varia Radar und Wahoo ELEMNT vor der Kopplung. Die beiden Geräte liegen nebeneinander und die ANT+ Kopplung startet.

Das Rücklicht ist großflächig und rückwärtig gut wahrnehmbar. Ergänzend dazu, habe ich mein Garmin Varia Radar RTL500 Rücklicht am Rad gefahren. Das Radar Rücklicht sichert mich rückwärtig ab.

Ich sehe auf dem Radcomputer (Wahoo Elemnt) einerseits wieviele Fahrzeuge hinter mir sind und wie schnell diese sich nähern, andererseits reagiert das Rücklicht dynamisch auf annähernde Fahrzeuge und verstärkt das Lichtband zur besseren Wahrnehmung.

Das Garmin Varia Radar ist zum Betrieb mit den Garmin Radcomputern ab dem EDGE 25 gedacht, so betrieb ich es auch lange mit dem EDGE 25. Jüngst kann auch der Wahoo Elemnt das Radar koppeln, so genügt mir jetzt ein Radcomputer am Lenker.

 

Nichtsdestotrotz wünsche ich mir an den äußeren Ecken des Laderaums Begrenzungsleuchten, anstatt der aufgeklebten silbernen und roten Klebemarken. Diese würden bei Dunkelheit die Abmessungen des Rads besser erkennen lassen, insbesondere dessen Baubreite. Der Bauaufwand erscheint mir vertretbar, jeweils ein dünnes Kabel würden genügen, um eine kleine LED leuchten zu lassen. Leider sieht Urban Arrow das nicht vor. Wäre es mein Rad, würde ich über manuell schaltbare Klebeleuchten nachdenken.

Eine weitere Kleinigkeit bemängele ich hinsichtlich der Beleuchtung, denn ein rückwärtiges Bremslicht halte ich für sinnvoll, doch es fehlt an diesem Rad. Zugegeben, gängig ist ein Bremslicht an Fahrrädern noch nicht, doch es Macht Sinn, zumal sich das Lastenrad auf der Straße bereiter macht und ausgezeichnet bremst, da möchte ich keinen Auffahrunfall riskieren.

 

 

Scheibenbremsen verzögern das Rad sicher und belastbar

Das Rad wird vorne und hinten von einer belastbaren Scheibenbremse gebremst. Es ist jeweils die Shimano Zee BR-M640 Bremse, mit RT-66 Scheiben.

Diese Bremsscheibe bietet Shimano mit 160, 180 und 203mm Durchmesser an, Urban Arrow wählte für das Lastenrad die 180mm vorne und 203mm hinten Paarung.

Mir erscheint diese Paarung sehr sinnvoll. Meine „normalen“ Räder kommen mit 160mm Scheibenbremsen aus, während das hohe Gewicht des Lastenrads unstrittig nach belastbareren Bremsen verlangt.

Das zulässige Gesamtgewicht des Rads beträgt 275 kg, während ich das Rad mit maximal  210 kg fuhr (51 kg Rad + 90 kg ich + 60 kg Last + Schloss und Zubehör). Auf Abfahrten erreichte ich bis 60 km/h und bremste dort das Rad immer wieder etwas ein, auch mehrfach hintereinander. Fading zeigten die Bremsen zu keiner Zeit, die maximale Bremsleistung war immer gegeben.

Meine Fahrversuche sind nun nicht mit Passfahrten im Gebirge vergleichbar, ich hätte jedoch keine Sorge, mit diesem Rad und dieser Belastung Alpenpässe zu befahren, mit voll ausgeschöpften 275 kg dann aber doch vielleicht nicht mehr.

Beide Bremsen sind leicht dosierbar und griffig, die Griffweite der Bremshebel passte optimal zu meinen Händen und sollte auch noch für kleinere Hände genügen.

 

 

Stufenlose Schaltung Enviolo Cargo N380

Die stufenlose Enviolo Cargo N380 Schaltung beeindruckt mich mit am meisten, an diesem Rad, denn sie passt nahezu perfekt zu diesem schweren Lastenrad.

Ich führe das nicht ausschließlich auf die Konstruktion der Schaltung selbst zurück, sondern auch auf die von Urban Arrow gewählte Übersetzung, also die Kombination von Radgröße, Kettenblatt und Ritzel. Das Paket ist mehr als stimmig und man kann es wohl nicht besser machen, nicht ohne Kompromisse einzugehen.

Wie sähen diese Kompromisse aus?

Die Bergtauglichkeit an steilen Anstiegen könnte etwas besser sein, doch würde Urban Arrow die Übersetzung kürzer auslegen, beispielsweise durch ein größeres Ritzel, oder ein kleineres Kettenblatt, ginge Tempo auf schnellen Strecken verloren.

In ausgiebigen Fahrversuchen komme ich zu der Überzeugung, die gegebene Übersetzung und Bandbreite der Schaltung passt nahezu perfekt zu meinem hügeligen Streckenprofil, bei einem Maximalgewicht von knapp über 200 kg.

Bis über 50 km/h trete ich bequem mit, hinsichtlich der Trittfrequenz, darüber hinaus wird der Tritt dann etwas hektisch unrund. Es macht viel Spaß, mit diesem Rad über 50 km/h zu fahren, man ist dann wirklich flott unterwegs. Den Preis dafür zahle ich an Anstiegen, denn dort fiel ich auf etwa 12 km/h zurück, auf kleinster Übersetzung und mit mittlerer Motorunterstützung, sowie kräftigem Tritt.

Mit meinem MTB oder Graveler bin ich an diesen Stellen auch kaum schneller, eher etwas langsamer, wenn mir die Puste ausgeht. Hinsichtlich der Fahrstabilität könnte die Übersetzung auch geringer sein, um mit normalem Tritt beispielsweise 8-9 km/h zu erzielen, Steigungen ließen sich damit leichter erklimmen, doch es ginge auf schnellen Strecken Tempo verloren.

Die Schaltung passt ausgezeichnet zur Leistungscharakteristik des Motors. Zu jeder Zeit ist gut Vortrieb gegeben, auch unter hoher Last und am Berg, lässt sich die Schaltung leicht bedienen / schalten. Hierbei gilt es zu bedenken, dass neben meinem kräftigen Tritt, auch der Motor bis zu 250 Watt auf die Kette gibt, ich schätze daher die gesamte Antriebsleistung auf 400-500 Watt.

Der stufenlose Gripshift Schalter am Lenker ist quasi selbsterklärend. Ihn versteht jeder auf Anhieb, wie man zu großen und kleinen Übersetzung gelangt. Die dynamisch angepasste orange Linie im Display ist eine ausgezeichnete Idee. Die Schaltung lässt sich am Rad zwischen Daumen und Zeigefinger sehr gut und vor allem stufenlos bedienen, doch auch die Ergo Griffe liegen gut in der Hand und ermöglichen lange bequeme Ausfahrten.

 

 

Bosch Performance Motor

Der Bosch Performance Line Motor, Draufsicht rechts, verbaut im Urban Arrow Lastenrad. Die Kette ist vollständig gekapselt, ebenso das Ritzel/Kettenblatt
Bosch Performance Line Antrieb (rechts), verbaut im Urban Arrow Lastenrad. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

Der Bosch Performance Motor harmoniert hinsichtlich seiner Leistungsentfaltung und des Drehmoments gut mit dem Rad. Weniger zufrieden bin ich mit der ruckelnden Abregelung, seht dazu auch gerne meinen ausführlichen Fahrbericht. Der Motorregelung fehlt es deutlich an Feinabstimmung.

In der kleinen und mittleren Unterstützungsstufe fuhr ich den Motor am liebsten, doch auch hier ist die Abregelung deutlich zu spüren. Es ist nicht schwer, mit dem Rad an der 25 km/h Abregelung zu fahren, es empfiehlt sich, deutlich darunter oder darüber zu bleiben. Der Motor regelt sehr hart ab, fällt dann minimal das Tempo, setzt er kraftvoll wieder ein. So wiederholt sich der Regelkreis in höhere Frequenz, mich stört das sehr. Je stärker die gewählte Unterstützungsstufe ist, desto deutlich ist dieser Effekt zu vernehmen.

Leider kann man am Antrieb nur die Unterstützungsstufe wählen, jedoch nicht den Regelkreis beeinflussen.

 

Mit diesen Einstellungen lässt sich in der IOS Coboc App der Pedelec Antrieb des Fahrrads individuell einstellen.
Screenshot aus der IOS Coboc App, zur Feineinstellung des Antrieb. (c) Coboc

 

Man kann das auch anders lösen, mein aktuelles Coboc Testrad beweist das beeindruckend, denn dessen Antrieb ist über die Coboc App sehr individuell einstellbar. Der Antrieb bringt sich sehr fließend ein und nimmt sich ebenso sanft auch wieder zurück. So wünsche ich mir das, so muss das sein. Urban Arrow täte gut daran, für das grundsätzlich erstklassige Lastenrad einen komfortableren Antrieb zu wählen. Sollte Bosch den nicht liefern können, notfalls den Zulieferer wechseln.

Zugegeben, ich wähle harte Worte, doch für einen Listenreis des Testrads von rund 5.400€ erwarte ich auch einen erstklassigen Antrieb.

Der Motor an sich ist ausgezeichnet, doch für die ruppige Regelung ziehe ich viele Wertungspunkte ab.

 

 

 

Ist das Rad den Preis wert?

Für das Testrad, in der ausreichend dargelegten Ausstattung, habe ich eine Listenpreis von rund 5.400€ recherchiert.

In einfacherer Ausstattung ist das Rad auch günstiger zu haben, beispielsweise mit Rollenbremsen. Ich persönlich würde diese an einem Lastenrad niemals akzeptieren, denn diese missfallen mir schon an einem BikeSharing Leihrad in der Stadt. So wartungsarm die Rollenbremsen auch sein mögen, deren Bremsleistung überzeugt mich nicht.

Unser aller finanzieller Spielraum ist höchst unterschiedlich, hinzu kommt eine individuelle Haltung darüber, was wir billig, preiswert und als zu teuer bewerten.

Selbstverständlich habe ich dazu auch eine Haltung und diese schwankt bei diesem Urban Arrow Family in der getesteten Ausstattung zwischen preiswert und zu teuer, mit Tendenz zu letzterem.

Diese Bewertung resultiert an sich nur aus dem ruckeligen Antrieb, an der Regelgrenze, an der ich eben oft fahre. Alles andere an diesem Rad ist sehr stimmig und rechtfertigt den ambitionierten preiswerten und preiswürdigen Preis, denn der Nutzen des Rads ist beeindruckend, es ersetzt leicht einen Kleinwagen.

Mein Test zeigt zudem deutlich, eine Anschaffung dieser Größenordnung will wohl überlegt sein und sollte umfassende Probefahrten berücksichtigen, denn ein scheinbar kleines Detail kann den Gesamteindruck gravierend beeinträchtigen.

 

 

 

Mein Fazit in der Zusammenfassung

Das Lastenrad "Urban Arrow Family", hier bei einer Probefahrt mit einem Kleinkind im Laderaum. In dieser Ausstattungsvariante gibt es Platz für zwei kleine Kinder, beide können natürlich auch angeschnallt werden.
Lastenrad „Urban Arrow Family“, Probefahrt mit einem Kleinkind im Laderaum. Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau (2019)

Pro

  • übersichtliches Cockpit
  • Ergo-Griffe
  • rutschhemmende Flat Pedale, sie harmonieren mit allen Schuhe, auch bei Nässe
  • stufenlose Schaltung Enviolo Cargo N380 passt perfekt zum Rad und dem Motor
  • kraftvoller Motor mit drei Unterstützungsstufen
  • direkte und spielfreie Lenkung
  • Bosch Intuvia Bediengerät funktional und übersichtlich
  • Scheibenbremsen mit hoher Belastbarkeit, standfest und gut dosierbar
  • Kette vollständig gekapselt, sauber und vor Schmutz geschützt
  • fahrstabil bis jenseits der 60 km/h, auch mit Last
  • sehr geräumiger Laderaum, der zudem Kinder gut schützt
  • stabile Sitzbank im Laderaum mit Dreipunkt-Gurten
  • abschließbarer Akku
  • stabiler Hauptständer, auch mit beladenem Rad, leicht bedienbar und standfest

 

Contra

  • fehlende Schiebehilfe
  • fehlender Turbo Knopf
  • ruckelige Regelung des Motors, wenn er an der Abregelgrenze gefahren wird
  • fehlender Diebstahlschutz des Bosch Intuvia Bedienteils
  • fehlende Begrenzungsleuchten an der Laderaum Begrenzung
  • fehlendes Bremslicht
  • begrenzte „Bergtauglichkeit“, an steilen Anstiegen
  • Rahmenschloss am Hinterrad als Diebstahlschutz nicht ausreichend
  • Lenkgestänge drückt am Vorderrad bei vollem Linkseinschlag das Schutzblech an den Reifen
  • eine ausziehbare Kette aus dem Rahmen wäre als Schloss sinnvoll, Vanmoof hat das schon praktiziert
  • kein verschließbares Staufach unter der Sitzbank, beispielsweise für das Ladegerät oder ein Schloss
  • Sitzbank nicht klappbar, stört etwas bei Fracht im Laderaum
  • Verzurrösen fehlen am/im Laderaum, sie würden die Ladungssicherung erhöhen
  • keine Aufnahme für einen zweiten Akku, zur Aktionsradius Erweiterung
  • 400 Wh Akku etwas zu klein dimensioniert, ich empfehle den 500er

 

 

Danke an die Gemeinde Rabenau und das Land Hessen

Für die Bereitstellung des Testrads gilt mein Dank dem Land Hessen und seinem Projekt „Mobiles Hessen 2030„, sowie der Gemeinde Rabenau in Mittelhessen.

Vor geraumer Zeit bewarb ich mich in meiner Kreisstadt Gießen um ein Testrad, umso erstaunter war ich, als mir die Gemeinde Rabenau ein Rad anbot. Leider war das nicht für einen Monat möglich, wie ursprünglich angedacht, denn es sollen möglichst viele Nutzer die Räder fahren können, ich war eben doch sehr auf dieses Lastenrad fixiert.

Alternativ hatte ich dann noch die Chance, ein S-Pedelec zu testen, dazu dann später einmal mehr. Die Testfahrten sind abgeschlossen, doch der Beitrag ist noch zu erarbeiten.

 

Plädoyer für Alternativen zum privaten PKW

Rabenau liegt im Lumdatal, schön gelegen, doch hinsichtlich der gebotenen Infrastruktur nur begrenzt attraktiv. Der ÖPNV ist unzureichend, zumindest für mich, so gilt es, viele Formen der Mobilität zu entwickeln und zu fördern.

Ich beteilige mich sehr gerne daran und bin offen für ÖPNV, CarSharing, BikeSharing und andere Lösungen.

Es gibt eine Bahnstrecke, doch diese wird schon lange nicht mehr befahren. Die Initiative Lumdatalbahn bemüht sich um deren Wiederbelebung, hoffentlich mit Erfolg, es wäre ein großer Gewinn für die Region. An dieser Stelle sind aber auch alle Bürger gefordert, die eigene Mobilität zu überdenken und private PKWs zu reduzieren. Bislang ist das kaum möglich, künftig hoffentlich schon.

Schade, dass die Gemeinde die Testräder wieder abgeben musste, denn ich hatte gehofft, zumindest einen Teil der Räder dauerhaft der Bürgern als Leihrad anbieten zu können. Es gibt eine Iniative „freie Lastenräder“, daran hätte sich auch die Gemeinde Rabenau beteiligen können, gefördert durch das Land Hessen.

 

 

 

Dieser Beitrag kann nach der DSGVO als Werbung verstanden werden, ich muss daher an dieser Stelle darauf hinweisen.

Sollte dieser Beitrag als Werbung verstanden werden, stelle ich klar, meine Beiträge als persönlichen privaten Kommentar / Meinung zu verstehen, etwaige Werbung ist nicht beabsichtigt. Auf die Nennung von Marken und Produkten kann nicht immer verzichtet werden. Ich betreibe mein BLOG rein privat als Hobby, es verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen. Sollte eine externe Unterstützung gegeben sein, beispielsweise durch zugelieferte Texte, Produkt Leihgaben, oder andere Dinge, weise ich selbstverständlich klar und deutlich darauf hin.

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